Technik & Systeme Systemüberblick: Welches Technik-Konzept passt zu meinem Gebäude?

Systemüberblick: Welches Technik-Konzept passt zu meinem Gebäude?

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Wer heute nach einer Lösung für Kühlung oder Heizung sucht, wird schnell mit Begriffen bombardiert, die oft synonym verwendet werden, technisch aber unterschiedliche Welten bedeuten. Ist eine Klimaanlage automatisch eine Wärmepumpe? Wann lohnt sich „Multisplit“? Und was bedeutet eigentlich „Hybrid“ in der Praxis?

In diesem Beitrag unserer Rubrik „Technik & Systeme“ räumen wir mit dem Begriffschaos auf. Wir liefern keine Produktwerbung, sondern eine nüchterne, technische Einordnung der gängigsten Systeme am Markt. Ziel ist es, dass Sie verstehen, welches Grundkonzept zu Ihrer baulichen Situation und Ihrer Zielsetzung passt.


1. Die Basis: Das Single-Split-System (Luft-Luft-Wärmepumpe)

Das ist der Klassiker, den die meisten vor Augen haben, wenn sie „Klimaanlage“ hören.

Funktionsweise: Ein System besteht aus genau zwei Komponenten: Einem Außengerät (Verflüssiger/Kompressor) und genau einem Innengerät (Verdampfer), verbunden durch Kältemittelleitungen. Es entzieht der Raumluft Wärme und transportiert sie nach draußen (Kühlen) – oder umgekehrt (Heizen). Wichtiges Detail: Moderne Split-Geräte sind technisch gesehen Luft-Luft-Wärmepumpen. Sie können sehr effizient auch heizen, solange die Außentemperaturen nicht extrem tief fallen.

Anwendungsfall & Zielsetzung:

  • Ziel: Klimatisierung (und Übergangsheizung) eines einzelnen Raumes (z.B. Schlafzimmer, Serverraum, Einzelbüro).
  • Gebäude: Ideal zur Nachrüstung in Bestandsgebäuden, da der Installationsaufwand überschaubar ist (nur eine Kernbohrung nach draußen pro System).

Stärken & Grenzen:
Pro: Einfache Installation, autarke Regelung pro Raum, hohe Effizienz im Einzelbetrieb, vergleichsweise geringe Investition.
Contra: Für jedes Innengerät wird ein eigenes Außengerät benötigt. Wer fünf Räume kühlen will, hat fünf Kästen an der Fassade hängen – ästhetisch oft problematisch.


2. Die Vernetzte: Das Multisplit-System

Wenn mehr als ein Raum klimatisiert werden soll, kommt die Multisplit-Lösung ins Spiel.

Funktionsweise: Das Prinzip ist identisch zur Single-Split, aber die Skalierung ist anders. Ein leistungsstarkes Außengerät versorgt mehrere (meist 2 bis 5) Innengeräte. Die Innengeräte können dabei unterschiedlich sein (z.B. ein Wandgerät im Schlafzimmer, eine Deckenkassette im Wohnzimmer).

Anwendungsfall & Zielsetzung:

  • Ziel: Gleichzeitige Klimatisierung mehrerer Räume oder einer ganzen Etage.
  • Gebäude: Wohnungen oder Büros, wo der Platz an der Außenfassade oder auf dem Balkon begrenzt ist und nicht mit mehreren Außengeräten zugestellt werden darf.

Stärken & Grenzen:
Pro: Nur ein Außengerät für mehrere Räume (saubere Fassade), zentrale Energieversorgung, individuelle Temperaturwahl pro Innengerät möglich.
Contra: Komplexere Rohrleitungsführung durch das Gebäude (längere Wege). Fällt das Außengerät aus, sind alle angeschlossenen Räume ohne Klimatisierung („Single Point of Failure“).


3. Die Heizzentrale: Die Luft-Wasser-Wärmepumpe

Hier entsteht oft die größte Verwirrung. Während Split-Geräte (Luft-Luft) primär die Raumluft direkt temperieren, ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe ein zentrales Heizsystem.

Funktionsweise: Das Außengerät entzieht der Umgebungsluft Energie. Diese Energie wird jedoch nicht direkt als warme Luft in den Raum gepustet, sondern über einen Wärmetauscher an ein wassergeführtes System (Hydraulik) abgegeben. Sie erhitzt also Heizungswasser für Fußbodenheizungen oder Radiatoren und bereitet das Brauchwarmwasser (Duschen, Baden) auf. Viele moderne Modelle können im Sommer den Prozess umkehren und über die Fußbodenheizung auch (moderat) kühlen.

Anwendungsfall & Zielsetzung:

  • Ziel: Primärheizung für das gesamte Gebäude und Warmwasserbereitung.
  • Gebäude: Standard im Neubau. Im Altbau sinnvoll, wenn die Gebäudehülle saniert ist oder die Heizkörper großflächig genug sind, um mit niedrigen Vorlauftemperaturen zu arbeiten.

Stärken & Grenzen:
Pro: Extrem effiziente Gebäudeheizung, nutzt Umweltenergie, staatlich stark gefördert, macht unabhängig von fossilen Brennstoffen.
Contra: Hohe Investitionskosten, komplexere Installation (Eingriff in die Hydraulik). Die Kühlfunktion über Fußbodenheizung ist träge und nicht so leistungsstark wie eine Split-Klimaanlage (Gefahr von Kondenswasser am Boden bei zu starker Kühlung).


4. Der Brückenbauer: Hybride Systeme

Hybrid ist die Antwort auf die Frage: „Was mache ich mit meinem unsanierten Altbau, wenn die Wärmepumpe allein es nicht schafft?“

Funktionsweise: Ein Hybridsystem kombiniert zwei Technologien. Meistens eine fossile Heizung (z.B. Gas-Brennwertkessel) mit einer regenerativen Komponente (z.B. einer kleiner dimensionierten Luft-Wasser-Wärmepumpe). Eine intelligente Regelung entscheidet, welcher Erzeuger gerade effizienter oder günstiger arbeitet.

Anwendungsfall & Zielsetzung:

  • Ziel: Schrittweise Dekarbonisierung bei maximaler Versorgungssicherheit.
  • Gebäude: Ältere Bestandsgebäude mit hohem Wärmebedarf, wo eine reine Wärmepumpe an sehr kalten Tagen unwirtschaftlich arbeiten würde oder die vorhandenen Heizkörper nicht ausreichen.

Stärken & Grenzen:
Pro: Hohe Sicherheit (Gas springt bei Minusgraden ein), CO2-Einsparung in der Übergangszeit (Wärmepumpe übernimmt 70-80% der Jahresarbeit), Nutzung vorhandener Infrastruktur.
Contra: Hoher technischer Aufwand bei Installation und Regelung, man unterhält weiterhin zwei Systeme (Wartung für Gastherme UND Wärmepumpe notwendig), weiterhin Abhängigkeit vom Gaspreis.


Zusammenfassung und Ausblick

Die Wahl des Systems hängt weniger vom Hersteller ab, sondern von Ihrer Bausubstanz und Ihrem primären Ziel:

  • Wollen Sie nur einen Raum im Sommer kühlen? -> Single-Split.
  • Wollen Sie eine ganze Etage kühlen ohne Fassaden-Chaos? -> Multisplit.
  • Brauchen Sie eine neue Zentralheizung für den Neubau? -> Luft-Wasser-Wärmepumpe.
  • Wollen Sie im Altbau Energie sparen, trauen der Wärmepumpe aber nicht alles zu? -> Hybrid.

In den nächsten Beiträgen dieser Kategorie werden wir tiefer in die technischen Details eintauchen, die bei all diesen Systemen eine Rolle spielen: Wir erklären, was der Unterschied zwischen SCOP und SEER ist und warum die Lautstärke (dB(A)) in Datenblättern oft täuscht.